Schlagwort: GP2

„Formel 2 als nächster Schritt“

Nach vier Klassensiegen in Folge erzählt uns SUPER LIGHTS-Rookie Alexander Geier (16, aus Salzburg) im Interview über seinen Werdegang und seine Ziele im Motorsport.

Wie bist du zur BOSS GP Racing Series gekommen?

ALEXANDER GEIER: „Begonnen habe ich mit elf Jahren mit einem Formel König, da sind wir viel gefahren. Danach kam ein Formel Renault 2.0, Baujahr 2002, mit sequenziellem Getriebe. Dann mit 13 habe wir einen neuen Formel Renault gekauft, schon mit Pedalshift. Damit bin ich bis letztes Jahr im Histo Cup Austria Rennen gefahren. Dann habe ich durch Ingo Gerstl (Team Top Speed, Anm.) die Chance bekommen, in der BOSS GP Racing Series mitzufahren. Für den nächsten Schritt haben wir dann den Tatuus World Series by Renault 3.5 gekauft, mit dem wir jetzt mitfahren.“

Was muss ein Fahrer können, um solch einen Boliden fahren zu können?

GEIER: „Im Grunde genommen kann es jeder fahren. Es wird nur mit links gebremst, damit tun sich sehr viele schwer. Zudem ist die Kupplung am Lenkrad, das Wegfahren ist schwierig, aber das Steuern des Fahrzeugs an sich ist mit etwas Übung machbar.“

Was macht für dich die BOSS GP Racing Series aus?

GEIER: „Schnelle Autos, die Rennen … einfach alles. Es ist schon einmal ganz was anderes wie alles, was ich zuvor gefahren bin. Auf alle Fälle professioneller! Das fahrerische Niveau der Serie ist auch weit höher, als oft angenommen wird. Natürlich steckt man beim ein oder anderen Duell schon einmal zurück, weil die Autos doch schon etwas älter sind und es oft wenig Ersatzteile gibt. Aber das ist aufgrund der Kosten nur allzu verständlich.“

Zuletzt in Brünn gewann Geier beide Rennen der SUPER LIGHTS-Klasse und jagte sogar die FORMULA-Piloten vor ihm

Ihr seid mit einem eigenen Team unterwegs. Wie setzt sich das zusammen?

GEIER: „Früher waren das nur mein Papa und ich, wir schrauben auch selber daheim in der Garage. Jetzt sind wir immer zu dritt unterwegs. Mit Willi ist ein guter Freund von meinem Vater dabei, dem gefällt das auch.“

Was sind deine großen Ziele für die Zukunft?

GEIER: „Der nächste Schritt soll 2023 kommen. Wir wollen mit einem Formel 2 starten. Dafür trainieren wir jetzt und suchen nach Sponsoren. Das von selbst zu bezahlen ist fast unmöglich, deswegen sind wir hier auf Hilfe angewiesen.“

Fotos: Angelo Poletto/BOSS GP

Report: Red Bull Ring Spielberg Rennen 1

Nach der „Pole“ auch der Sieg: Gerstl gewinnt F1, Schlegelmilch OPEN, Chovanec-Lopez FORMULA und Hasler SUPER LIGHTS.

Bei bestem Wetter und zur besten Startzeit um kurz nach 14 Uhr ging das erste Rennen der BOSS GP Racing Series über die Bühne. Zum ersten Mal wurde in zwei Startgruppen gestartet, zunächst die Formel-1-Klasse und mit einem Abstand von ca. 20 Sekunden dahinter die Klassen OPEN, FORMULA und SUPER LIGHTS.

BOSS GP F1 Class

Ingo Gerstl (AUT, Top Speed) setzte seine Siegesserie von Hockenheim fort. Der Salzburger mit seinem Toro Rosso STR1 gewann das erste BOSS GP-Rennen im Rahmen der Rundstreckentrophy. Sein Top-Speed-Teamkollege Thomas Jackermeier (GER) fuhr ein tadelloses Premierenrennen im Formel-1-Toro-Rosso und beendete den ersten Lauf hinter Gerstl auf Rang 2. Längere Zeit konnte er seinem weitaus erfahreneren Teamkollegen folgen. Ulf Ehninger (GER, ESBA Racing) fuhr ein ebenso fehlerfreies Rennen und holte sich damit verdient einen Pokal für Rang 3.

Die erfolgreichsten Piloten des ersten BOSS GP-Rennens in Spielberg 2022

BOSS GP OPEN Class

Nach einer Safety-Car-Phase heizte Harald Schlegelmilch (LVA, HS Engineering) gegen Rennende auch noch einmal den Formel-1-Fahrzeugen vor ihm ordentlich ein. Schlegelmlich gewann die OPEN-Klasse in seinem modifizierten World-Series-Boliden vor dem IndyCar (IRL-IR8) von Anton Werner (GER, Ryschka Motorsport).

Hartes, aber faires Racing bei den Positionskämpfen im Mittelfeld

BOSS GP FORMULA Class

Zdenek Chovanec-Lopez (PRT, MM International) war wie nach dem starken Qualifying erwartet nicht zu schlagen. Chovanec-Lopez holte sich mit seinem zweiten Saisonsieg die alleinige Tabellenführung in der FORMULA-Klasse zurück. Dahinter lieferten sich die beiden Italiener Simone Colombo (MM International) und Marco Ghiotto (Scuderia Palladio) ein wie erwartet heißes Duell. Während Ghiotto mit überhitzten Bremsen kämpfte, schoss auch Colombo das ein oder andere Mal übers Ziel hinaus. Letztlich setzte sich Colombo gegen Ghiotto durch. Walter Steding (GER, Scuderia Palladio) wurde mit seiner besten Saisonleistung Vierter. Giancarlo Pedetti (ITA, Nannini Racing) landete auf Rang 5, knapp vor der im Rennen gut aufgelegten Bianca Steiner (Steiner Motorsport) als beste Österreicherin in dieser Klasse. Die Klasse der BOSS GP SUPER LIGHTS beendete der steirische Lokalmatador Andreas Hasler (AUT, Hasler Motorsport) am ersten Platz.

Das vierte Saisonrennen startet morgen Sonntag um 14 Uhr Ortszeit.

Fotos: Angelo Poletto/BOSS GP, Henry Gasselich/VOLLGAS!

„Single Seater sind meine Welt“

Wir haben mit dem Österreicher Michael Aberer (50) vor seinem Heimrennen am Red Bull Ring (3.–5. Juni 2022) gesprochen und gelernt, warum er zwar Niki Lauda verehrt, aber sein GP2-Dallara in einem Retro-Design von Jochen Rindt am Start steht.

Was treibt dich an, einen GP2-Boliden zu fahren?

MICHAEL ABERER: „Das Auto passt vom Maß her zu mir. Ich habe 90 Kilo, in der Formel 3 braucht man 70, 75 Kilo – das ist einfach ein schmäleres Auto. Da passt der GP2 schon einmal rein körperlich besser zu mir. Und Single Seater sind sowieso meine Welt!“

Hast du einen besonderen Helden?

ABERER: „Niki Lauda, den habe ich schon als Kind als Poster an der Wand gehabt. Aber auch Gerhard Berger, ihm bin ich menschlich wohl am Nächsten. Ich habe mich gleich wie er um alles gekümmert: Rennauto, Firma … Disco und natürlich Mädels (lacht).”

Dein Auto ist aber wie der Weltmeister-Lotus von Jochen Rindt lackiert, warum das?

ABERER: „Das habe ich mir gemeinsam mit Ingo Gerstl ausgedacht. Er meinte, das wäre ein bisschen Historie und hat mir Bilder von prägnanten Motorsport-Designs gezeigt. Rot-weiß-rot sind wiederum meine Farben – da habe ich mir gedacht, ‚okay, es wird Jochen Rindt‘. Dann war auch der 50. Todestag (2020, Anm.) und so fügt sich das zusammen. Auch wenn Jochen Rindt vor meiner Zeit gefahren ist, seine Geschichte interessiert mich als Österreicher natürlich.“

Zuletzt in Hockenheim gehörte Michael Aberer zur Spitzengruppe der FORMULA-Klasse

Wie sieht deine bisherige Motorsport-Vergangenheit aus?

ABERER: „Ganz klassisch früher Kartsport und Autoslalom. Im Autoslalom war ich sehr erfolgreich, vor 30 Jahren mit einem Golf GTi in Vorarlberg. Jetzt ist das ja anders, aber früher waren das richtige Rennautos, mit einem Käfig drinnen und die Autoslalom-Community war auch groß. Dazwischen habe ich eine kleine Pause eingelegt. Dann habe ich wieder hobbymäßig mit Kartsport begonnen und bin anschließend in die Formel 3 gewechselt. 2006 bin ich Meister der so genannten B-Serie geworden.“

Dann hast du ja noch einmal eine Pause eingelegt …

ABERER: „Ja, 2012 habe ich ganz aufgehört und habe meinen Sohn Lukas fahren lassen. Vor zwei Jahren habe ich aber wieder angefangen. Jetzt würde ich gerne noch ein bisschen mit dem Auto fahren und dann lasse ich Lukas den Vortritt.“

Aberer in seiner BOSS GP-Debütsaison 2020 mit einem World Series by Renault (hier zu sehen in Spa)

Vor zwei Jahren bist du das erste Mal in der BOSS GP Racing Series gefahren. Wie setzt sich dein Team heute zusammen?

ABERER: „Aktuell habe ich das Asche Racing Team mit Flo Leitinger als Chefmechaniker engagiert. Die sind gut und für mich macht das vor allem Sinn, dass sie sich um das Auto kümmern, dann bin ich viel freier. Sie schrauben und ich fahre, wie ein Formel-1-Fahrer (lacht).“

Was gefällt dir an der BOSS GP besonders?

ABERER: „Mir gefällt die Community. Hier kommen viele Fahrer aus unterschiedlichen Nationen zusammen, alle ungefähr im gleichen Alter. Auf der Strecken haben wir unseren Spaß, am Abend sitzen wir zusammen beim Grillen. High Performance, aber auch gemütlich. Wir werden ja keine Formel-1-Weltmeister mehr, haben also andere Ziele. Sportlich gesehen ist mein Ziel heuer aufs Podest zu kommen und dann schauen wir weiter.“

Fotos: Angelo Poletto & Michael Kavena/BOSS GP

Vorschau: Red Bull Ring Spielberg

Am kommenden Wochenende (3.–5. Juni) kommt die BOSS GP Racing Series auf den Red Bull Ring und mit ihr die schnellsten Rennboliden der Welt. Mit dabei sind legendäre Autos von Vettel, Klien und Berger.

Bevor in gut einem Monat der Formel-1-Grand-Prix von Österreich am Red Bull Ring ausgetragen wird, sind bereits am kommenden Wochenende kostbare Schätze in Rennaction am Spielberg zu bewundern. Europas schnellste Rennserie, BOSS GP, versammelt von Freitag bis Sonntag mehrere Tausend PS in der Startaufstellung. 22 Big Open Single Seater – Formel 1, IndyCar, Formel 2 und GP2, World Series by Renault und Nissan – werden für ein unüberhörbares Programm am Red Bull Ring sorgen.

Teil dieses Orchesters sind u.a. der Toro Rosso STR3, mit dem Sebastien Vettel seinen ersten Rennsieg im Regen von Monza feierte, Christian Kliens erster Formel-1-Wagen, der Jaguar R5, und Gerhard Bergers letztes Siegerauto, der Benetton B197. Dazu kommt der US-amerikanische IndyCar-Bolide von Anton Werner (GER, Ryschka Motorsport), der das bunte Starterfeld ebenfalls bereichert. Ein Altbekannter gibt zudem sein Comeback in der BOSS GP Racing Series: Frits van Eerd (NLD, VES Racing), ProAM-Weltmeister in der Langstrecken-WM 2021 und langjähriger BOSS GP-Fahrer wird mit seinem Jaguar R5 versuchen, Auftakt-Doppelsieger Ingo Gerstl (AUT, Top Speed) im Toro Rosso STR1 Paroli zu bieten.

NummerNameNationTeamKlasseMarkeBaujahrModell
1Ingo GerstlAUTTop SpeedF1Toro Rosso2006STR1
2Florian SchnitzenbaumerGERTop SpeedF1Toro Rosso2006STR1
5Frits van EerdNLDVES RacingF1Jaguar2004R5
7Ulf EhningerGERESBA RacingF1Benetton1997B197
10Harald SchlegelmilchLVAHS EngineeringOPENDallara2012World Series by Renault
11Anton WernerGERRyschka MotorsportOPENDallaraIRL
21Bernd HerndlhoferAUTH&A RacingFORMULADallaraGP2
22Michael AbererAUTAM MotorsportFORMULADallara2005GP2
27Marco GhiottoITAScuderia PalladioFORMULADallara2011GP2
28Bruno JarachITAEesti MotorsportFORMULADallara2008GP2
31Paul O’ConnellIREHS EngineeringFORMULADallara2012World Series by Renault
32Simone ColomboITAMM InternationalFORMULADallara2017F2
37Luca MartucciITAMM InternationalFORMULADallara2011GP2
43Giancarlo PedettiITANannini RacingFORMULADallara2014GP2
44Thomas JakoubekAUTTop SpeedFORMULADallara2008GP2
47Walter StedingGERScuderia PalladioFORMULADallara2011GP2
51Zdenek Chovanec LopezCZEMM InternationalFORMULADallara2011GP2
69Thomas JackermeierGERTop SpeedFORMULADallaraGP2
110Bianca SteinerAUTSteiner MotorsportFORMULADallara2005GP2
111Alexander GeierAUTGeier RacingSUPER LIGHTSTatuus2003World Series by Renault
115Andreas HaslerAUTHasler MotorsportSUPER LIGHTSDallara2009World Series by Nissan

Lokalmatadore:
Im Starterfeld sind auch sieben österreichische Rennfahrer vertreten: Neben dem Salzburger Gerstl sind das Formel-1-TV-Expertin Bianca Steiner (GP2, Steiner Motorsport), Bernd Herndlhofer (GP2, H&A Racing), Michael Aberer (GP2, MA Motorsport), Thomas Jakoubek (GP2, Top Speed) und die beiden V6-World-Series-Autos vom erst 16-jährigen Alexander Geier (Geier Racing) und dem steirischen Lokalmatador Andreas Hasler (Hasler Motorsport). Zudem setzt das burgenländische Team HS Engineering zwei Fahrzeuge für Harald Schlegelmilch (LVA) und Paul O’Connell (IRE) ein.

Zeitplan (CEST):

Freitag, 3. Juni 2022
13:30–13:55          Freies Training 1
15:30–15:55          Freies Training 2

Samstag, 4. Juni 2022
09:50–10:20          Qualifying
14:00–14:20          Rennen 1 (20 Minuten)

Sonntag, 5. Juni 2022
14:00–14:25          Rennen 2 (25 Minuten)

Rahmenprogramm:

Den Motorsportfans werden bei der Rundstreckentrophy 2022 neben den Freien Trainings und Qualifyings insgesamt 17 Rennen geboten. Neben den beiden Rennen der BOSS GP (Samstag und Sonntag jeweils um 14 Uhr) starten mehrere Sport- und Tourenwagenserien und die Formel 3 im Rahmenprogramm. Der Eintritt auf allen geöffneten Tribünen ist frei, außerdem können Fans das Fahrerlager kostenlos besuchen und den Teams bei ihrer Arbeit über die Schulter blicken oder sich ein Autogramm von einem der Fahrer sichern.

Foto: Angelo Poletto/BOSS GP

Report: Hockenheim Rennen 1

Zehntausende Fans hörten aufmerksam hin, als die BOSS GP ihr Comeback auf dem Hockenheimring gab.

Der Lette Harald Schlegelmilch (HS Engineering) vollbrachte im ersten Saisonrennen 2022 das seltene Kunststück, vom letzten Startplatz aus noch den FORMULA-Klassensieg einzufahren. Schon nach der ersten Runde lag der ehemalige Trophysieger der deutschen Formel 3 in den Top-3 der Klasse, in der sechsten Runde schließlich überholte er auch den bis dahin führenden FORMULA-Piloten Zdenek Chovanec-Lopez (CZE, MM International). Schlegelmilch siegte damit nach Spielberg und Brünn 2021 zum vierten Mal in der BOSS GP Racing Series. Chovanec-Lopez freute sich ebenfalls über den zweiten Rang in seinem BOSS GP-Debütrennen.

Dahinter bildete sich längere Zeit über ein Dreikampf zwischen den Italienern Marco Ghiotto (Scuderia Palladio), Simone Colombo und Luca Martucci (beide MM International) – stehende Räder und Ausbremsversuche inklusive. In der vorletzten Runde gelang Colombo gegen Ghiotto das entscheidende Ausbremsmanöver in der Spitzkehre. Damit sprang Colombo „last minute“ noch aufs Podest.

Hinter Ghiotto und Martucci kam der Ire Paul O’Connell („Ich lebe meinen Traum“) von HS Engineering mit etwas Abstand als Sechster ins Ziel. Um Klassenrang 7 wurde noch bis zur Ziellinie gekämpft: Bianca Steiner (AUT, Steiner Motorsport), die zwischenzeitlich schon an Walter Steding (GER, Scuderia Palladio) vorbei war, klagte über plötzlichen Leistungsverlust. Schließlich reichte es knapp nicht mehr, Steding den siebenten Platz streitig zu machen. Als Neunter beendete Giancarlo Pedetti (ITA, Nannini Racing) sein Debütrennen in der BOSS GP Racing Series ebenfalls in den Top-Ten.

OPEN-Rennsieger Ingo Gerstl von Team Top Speed

Zur OPEN-Klasse: Diese war erneut sichere Beute für Ingo Gerstl (AUT, Top Speed) im Toro-Rosso-F1. Der Tübinger Ulf Ehninger (GER, ESBA Racing) im Benetton-F1 hielt sich dahinter aus allen Streitereien der FORMULA-Klasse geschickt heraus und sicherte sich so Rang 2. Sein Benetton-Zwilling Phil Stratford (USA, Penn Elcom) war nur kurz zu sehen, mit technischen Problemen musste er das Rennen schon frühzeitig aufgeben.

Zu den Geschlagenen aus Lauf 1 zählte u.a. auch Michael Aberer (MA Motorsport): Der Österreicher machte es wie Sebastien Vettel und versenkte seine Chancen auf eine Topplatzierung im Kiesbett der Sachs-Kurve – der Schaden am GP2-Wagen sollte aber bis zum zweiten Rennen behoben sein. Startzeit für Lauf 2 ist morgen Sonntag um 15:55 Uhr (CEST), davor läuft um 11:05 Uhr das Warm-up. Auch wieder zu sehen im Livestream auf www.hockenheim-historic.de/live

Fotos: Angelo Poletto/BOSS GP

Report: Hockenheim Qualifying

Bereits am Samstagmorgen waren die Tribünen im Motodrom gut besucht und das offene Fahrerlager beim Bosch Hockenheim Historic dicht gedrängt. Belohnt wurden Frühaufsteher mit V10- und V8-Sounds der BOSS GP.

Ingo Gerstl (AUT, Top Speed), der BOSS GP-Meister der Jahre 2008, 2016 bis 2020, holte sich die erste Poleposition des Jahres. Wenig überraschend fuhr der Salzburger im Toro Rosso STR1 mit 1:21.093 die überlegene Bestzeit im ersten Zeittraining dieser Saison. Neben ihm startet BOSS GP-Rookie Zdenek Chovanec-Lopez (CZE, MM International) ins Rennen. Der 17-Jährige mit Formel-3-Erfahrung war damit der schnellste Pilot der FORMULA-Wertung. Dahinter geht sein Teamkollege Simone Colombo (ITA, MM International), der FORMULA-Vizemeister aus dem Vorjahr, ins Rennen. Rang 4 belegte Phil Stratford (USA, Penn Elcom) im Formel-1-Benetton des Jahres 1997, der sich trotz eines kleinen Ausrutschers am Beginn des Qualifyings weit vorne klassieren konnte.

Aufgrund seiner hohen Ansprüche etwas enttäuscht war der dreifache BOSS GP-Champion Marco Ghiotto (ITA, Scuderia Palladio) im Original-GP2 von Charles Leclerc mit Rang 5. Der Italiener klagte schon gestern darüber, nicht gut mit der mittelschnellen Strecke zurechtzukommen. Dahinter startet Michael Aberer (AUT, MA Motorsport) ins Rennen. Trotz zwei Drehern konnte er sich bis zum Abwinken des Trainings immer weiter steigern und bis auf Rang 6 vorrücken.

Ulf Ehninger (GER, ESBA Racing) und Paul O’Connell (IRE, HS Engineering) gehen aus Reihe 4 ins Rennen. Luca Martucci (ITA, MM International) startet aufgrund einer Strafe nur von Startposition 9, Bianca Steiner (AUT, Steiner Motorsport) nach wenig Trainingszeit am Freitag von Rang 10.

Bianca Steiner in ihrem GP2-Auto

Gejagt wird das 17-köpfige Starterfeld heute Nachmittag von Harald Schlegelmilch (LVA, HS Engineering). Der Rennsieger aus dem Vorjahr geht nach starken Trainingszeiten nur vom vorletzten Startplatz in die Rennen. Bereits in der Outlap brach die Antriebswelle am getunten World Series by Renault-Boliden. Das österreichische Team kann den Wagen aber bis zum Rennstart (15:30 Uhr) reparieren. Das gelingt hoffentlich auch Lokalmatador Andreas Fiedler, der mit seinem Team versuchen wird, die Temperaturprobleme an seinem giftgrünen GP2-Wagen zu beheben.

Das erste von zwei Rennen an diesem Wochenende geht über eine Distanz von 20 Runden, die OPEN-Klasse wird aber bereits nach 15 Minuten abgewunken. Das Rennen ist heute Samstag ab 15:20 Uhr (CEST) genauso wie die anderen Rennen im Rahmen des Jim Clark Revivals am Hockenheimring auch im Livestream zu verfolgen: www.hockenheim-historic.de/live

Fotos: Angelo Poletto/BOSS GP

Report Rennen 1 Monza

Entscheidung vertagt: Schon der Vorstart warf das Qualifying über den Haufen. Am Ende gewann FORMULA-Champion Marco Ghiotto sein Heimrennnen und sprach von einem „leichten“ Sieg.

Bei 22 Grad Außen- und 33 Grad Asphalttemperatur fanden die Piloten perfekte Rennbedingungen vor, um die Pirelli-Reifen ins ideale Temperaturfenster zu bekommen. Schon auf der Startaufstellung machte der Toro Rosso von Polesetter Ingo Gerstl (AUT, Top Speed) Probleme. „Es dürfte ein Sensorproblem im Getriebe gewesen sein, es wäre schon gegangen, aus Sicherheitsgründen habe ich aber lieber nach dem Start abgestellt“, gab ein enttäuschter Gerstl zu Protokoll. In der Meisterschaft musste der Österreicher so einen herben Rückschlag hinnehmen, liegt er nun ein Rennen vor Schluss sieben Punkte hinter Ulf Ehninger (GER, ESBA Racing).

Da der Benetton von Phil Stratford (USA, Penn Elcom Racing) wegen den Getriebeproblemen aus dem Zeittraining ganz in der Box verblieb, war es angesprochener Ehninger, der den Sieg in der OPEN-Klasse abstaubte. Im Gesamtklassement musste sich der Benetton-Pilot aber einem bestens aufgelegten Marco Ghiotto (ITA, Scuderia Palladio) und Simone Colombo (ITA, MM International Motorsport) geschlagen geben. Die beiden Dallara-GP2-Piloten flogen zu Beginn im Paarflug um den Kurs, ehe sich Ghiotto mit knapp drei Sekunden Vorsprung durchsetzte.

„Am Anfang habe ich versucht, dass ich Colombo keinen Windschatten gebe, der Effekt ist in Monza besonders groß. Als ich ihn dann etwas abgeschüttelt hatte, war es ein leichter Sieg“, konstatierte der selbstbewusste Champion. Für Luca Martucci (ITA, MM International Motorsport) endete das Heimspiel jäh. Sicher auf Platz 3 liegend rollte sein GP2 eingangs der berühmten Ascari-Schikane aus.

Hinter Ehninger tobte der Kampf um Platz 4: Walter Steding (GER, Scuderia Palladio) und Armando Mangini (ITA, MM International Motorsport) duellierten sich das gesamte Rennen. Mangini probierte es mehrmals aus dem Windschatten heraus, verbremste sich aber bei seinem vielversprechendsten Versuch in der ersten Schikane, musste weitgehen, und kam nicht mehr näher als sieben Zehntel an den Deutschen heran.

Das spannendste Duell ging hinter Paul O’Connell (IRL, HS Engineering) um Platz 7 vonstatten. Michael Aberer (AUT, MA Motorsport), der seinen Wagen in den legendären Gold-Leaf-Farben fährt, fuhr das gesamte Rennen dicht hinter Thomas Jakoubek (AUT, Top Speed), ehe er in der letzten Runde in der Parabolica-Kurve zuschlug: „Ich habe mir jemanden zum Kämpfen ausgesucht, auch damit ich weiß, wo ich eigentlich stehe. Es war mein erstes Rennen im Trockenen, dafür bin ich sehr, sehr zufrieden, es war ein geiles Match“, zog Aberer Bilanz.

Morgen Sonntag um 12:50 Uhr Ortszeit steigt in Monza das GlobeAir Grande Finale der BOSS-GP-Saison 2021.

Foto: Angelo Poletto/BOSS GP

Report Freies Training Spielberg

Die BOSS GP mit Bildern für die Ewigkeit? Beeindruckender Showrun mit Formel-1-Autos und IndyCars am Freitag.

Ansonsten spulen auf dem Red Bull Ring Formel-1-WM und MotoGP ihre Runden ab, doch dieses Wochenende ist die BOSS GP Racing Series in der Steiermark zu Gast. Auf der schönsten Rennstrecke Österreichs wurden nach der sechswöchigen Pause seit dem Season Opening in Mugello die Streckenzeit ausgiebig genutzt und ausreichend Kilometer abgespult – auch das Wetter spielte an diesem Freitag mit. Es blieb den ganzen Tag trocken, so konnten alle Fahrer ihre Boliden ausgiebig testen. Gerade für die Premierenstarter zählte jeder Meter auf der 4,3 Kilometer langen Strecke rund um den ikonischen Bullen. Unter anderem lenkte Anton Werner (GER, Ryschka) heute einen Chip-Ganassi-IndyCar aus den mittleren 2000er-Jahren zum ersten Mal im BOSS GP-Programm

Am Beginn des zweiten Trainings gab es einen denkwürdigen Moment in der BOSS-GP-Geschichte: Es waren mit den beiden Benetton B197, dem Sauber C30, einem Jaguar R3, zwei Toro Rosso STR1, Vettels Siegerauto STR3 und zwei IndyCars von Ryschka eine schon lange nicht mehr dagewesene Phalanx an Big Open Single Seater auf der Strecke zu sehen. Im Zuge dieses Showruns sind beeindruckende Aufnahmen von Mensch und Maschine entstanden, welche von einem Kamerateam eingefangen wurden und demnächst über die BOSS GP-Social-Media-Kanäle zu sehen sein werden.

Ingo Gerstl (AUT, Top Speed) dominierte im 2006er-Toro-Rosso beide Trainings. Riccardo Ponzio (ITA, Adriatica Competiton) im Jaguar R3 war in den gesammelten Zeiten aus dem ersten und zweiten Training Zweitschnellster. Marco Ghiotto (ITA, Scuderia Palladio) wurde als schnellster FORMULA-Fahrer Dritter des heutigen Tages. Abgerundet wurden die Top-5 von Simone Colombo und Luca Martucci (beide ITA, MM International). Diese fünf haben sich so einen kleinen Vorteil erarbeitet, sie haben in Q1 die Strecke für sich alleine. Je nach Wetterlage wird am morgigen Samstag entschieden, ob die Qualifikation wie üblich in zwei Gruppen startet oder ob es eine Session von 30 Minuten mit allen Piloten geben wird. Die Regenwahrscheinlichkeit steigt bis morgen zunehmend. Auf jeden Fall stehen am Samstag gleich zwei Rennen (11:20 und 15:55 Uhr) auf dem Programm.

Foto: Angelo Poletto/BOSS GP

Es geht los!

Vorschau auf das BOSS GP Season Opening in Mugello am 9., 10. und 11. April 2021.

Die BOSS GP Racing Series macht es möglich: Schon am kommenden Wochenende starten Teams und Fahrer mit ihren Formel 1, Formel 2, Formel 3000 und Auto-GP-Rennern in die neue Saison. Bei der Saisoneröffnung von Europas schnellster Rennserie erwartet die Youngsters und Gentlemen von BOSS GP eine der schönsten Rennstrecken der Welt. Die 5,245 Kilometer lange Strecke in Mugello (erbaut 1974) ist im Besitz von Ferrari und ist traditionell Gastgeber der Motorrad-WM. Im Vorjahr war die Bahn in der Toskana auch Austragungsort eines Formel-1-Rennens. Die Kurvenabfolgen sich meist flüssig und schnell, die Topografie hügelig – eine absolute Lieblingsbahn vieler Piloten.

Nach einigen Jahren Abstinenz wurde Mugello im Vorjahr wieder in den Rennkalender der Big Open Single Seater aufgenommen. Der Cuvee Sensorium Grand Prix war im Oktober 2020 das Saisonfinale. Der erste Lauf war geprägt vom Duell um den FORMULA-Meistertitel zwischen Luca Martucci (ITA, MM International) und Marco Ghiotto (ITA, Scuderia Palladio). Zwar gewann Martucci sein erstes BOSS GP-Rennen, doch für Ghiotto reichte Rang 2 zur Titelverteidigung. Bei ebenfalls regnerischen Bedingungen wurde den Piloten in Lauf 2 viel Mut und Können abverlangt. Beides vereinte Andreas Fiedler (GER, Fiedler Racing), der einer durchwachsenen Saison einen überraschenden Gesamtsieg anfügte.

Dass die BOSS GP Racing Series wie geplant in die Saison starten kann, ist auch dem Rennveranstalter Gruppo Peroni zu verdanken, der das Event in Mugello abwickelt. Im Rahmenprogramm von BOSS GP fahren die Markenpokale Lotus Cup Italia, die Mitjet Italia Racing Series sowie Sportprototypen, historische Renner und Porsche-Gleichmäßigkeitsfahrten. Aufgrund der Pandemie-Lage sind das Fahrerlager und die Tribünen für Fans nicht geöffnet. BOSS GP hofft, bald wieder Zuseher im Paddock begrüßen zu dürfen.

Zeitplan BOSS GP Season Opening Mugello:

Freitag, 9. April 2021
10:35–11:05 Uhr           Freies Training 1
14:10–14:40 Uhr           Freies Training 2

Samstag, 10. April 2021
10:05–10:35 Uhr           Qualifikation (8+20 Minuten)
15:55–16:15 Uhr           Rennen 1 (20 Minuten)

Sonntag, 11. April 2021
10:00–10:10 Uhr           Warm-up
14:30–14:55 Uhr           Rennen 2 (25 Minuten)

Die Starterliste für das kommende Wochenende:

Armando Mangini (ITA)MM InternationalDallara GP2
Luca Martucci (ITA)MM InternationalDallara GP2
Simone Colombo (ITA)MM InternationalDallara GP2
Salvatore De Plano (ITA)MM InternationalLola Auto GP
Ingo Gerstl (AUT)Top SpeedToro Rosso STR1 F1
wird noch bekanntgegebenTop SpeedDallara GP2
Marco Ghiotto (ITA)Scuderia PalladioDallara GP2
Walter Steding (GER)Scuderia PalladioDallara GP2
Nicolas Matile (MCO)Zig-ZagLola Auto GP
Marc Faggionato (MCO)Zig-ZagDallara GP2
Giulio Tine (ITA)ColacinoLola T96 50
Walter Colacino (ITA)ColacinoLola T96 50
Ulf Ehninger (GER)ESBA RacingBenetton B197 F1
Andreas Fiedler (GER)Fiedler RacingDallara GP2
Bruno Jarach (EST)Esti MotorsportDallara GP2
Alexander Seibold (GER)Alexander SeiboldDallara GP2
Gianluca De Lorenzi (SMR)GDL RacingLola Auto GP

Report Rennen 2 Brünn

Walter Steding (Dallara GP2)

Überraschung im Sonntagsrennen: Doppelsieg für Scuderia Palladio.

Zwar hatte es über Nacht geregnet, die Strecke trocknete aber bis zum Start des zweiten BOSS GP-Rennens bei den Masaryk Racing Days weitgehend auf. Somit gingen alle Piloten auf den Pirelli P Zero-Trockenreifen auf die Bahn. Marco Ghiotto (ITA, Scuderia Palladio) erwischte aus Reihe 1 einen schlechten Start, doch er verteidigte die Klassenführung und folgte Ingo Gerstl (AUT, Top Speed) auf den ersten Metern. Dahinter schaffte es Luca Martucci (ITA, MM International) wie schon gestern, Roman Hoffmann (AUT, Hoffmann Racing) gleich in Runde 1 zu überholen.

Hoffmann musste sich in der Folge gegenüber den von hinten drängenden Salvatore de Plano (ITA, Coloni) und Andreas Fiedler (DEU, Fiedler Racing) verteidigen. In Runde 2 kollidierten De Plano und Fiedler in Kurve 1. Während de Plano sein Rennen fast unbeschadet fortsetzen konnte, wurde Fiedlers GP2 Dallara sichtbar beschädigt. De Plano beendete das Rennen auf Rang 5, Fiedler hinter Christian Ferstl (AUT, Ferstl Racing) noch auf Rang 7.

Vorne spitzte sich die Lage zu, als der Gesamtführende Gerstl seinen Toro-Rosso-Formel-1 in die Boxengasse steuerte. Ein überhitzter Motor zwang den Gewinner aller bisherigen Saisonrennen zu einem Zwischenstopp. Damit übernahm Marco Ghiotto die Gesamtführung im Rennen, die er bis zur Zielflagge nicht mehr abgab.

Zwischenzeitlich mischte auch Chris Höher (AUT, Top Speed) das Feld auf. Doch wie schon gestern musste er seinen Wagen vorzeitig in der Box parken. Ghiottos Teamkollege Walter Steding (DEU) sorgte indes für eine Sensation. Zu Rennmitte ging er zunächst an Hoffmann vorbei auf Rang 3. Dieser verteidigte sich hart, doch das reichte nicht. Wenige Runden später war auch Martucci fällig, der in der vorletzten Kurve von Steding überholt wurde. Für Steding war Rang 2 im heutigen Rennen das erste Podium seit seiner bislang erfolgreichsten Rennsaison im Jahr 2015. Für die Scuderia Palladio von Marco Ghiotto war es zudem der erste Doppelsieg der Teamgeschichte in der BOSS GP Racing Series.

Für Titelverteidiger Ghiotto sieht es in der Gesamtwertung nach sechs von 12 Saisonrennen ebenso blendend aus. Rivale Luca Martucci ist bereits 30 Punkte zurück. Auf Rang 3 folgt jetzt wieder Walter Steding, der nur einen Zähler vor Roman Hoffmann liegt.

BOSS GP das nächste Mal in Rennaction gibt es schon in drei Wochen beim Cuvee Sensorium Grand Prix in in Assen. So wie es aussieht erneut vor Publikum.

Foto: Dirk Hartung