Rennreport Red Bull Ring: BOSS GP macht die Classics zum Motorsportfest
Über 20.000 Zuschauer machten die Red Bull Ring Classics 2026 zu einem der größten historischen Motorsport-Events des Jahres. BOSS GP lieferte mit zwei packenden Rennen die größte Show des Wochenendes mit 20 Big Open Single Seaters.
Runde 4 der Saison 2026 führte die BOSS GP-Piloten auf die malerische Formel-1-Rennstrecke von Spielberg in den österreichischen Alpen. Angekündigte Unwetter blieben aus, alle BOSS GP-Sessions gingen unter trockenen Bedingungen über die Bühne. Grid Walks und Ausstellungsfahrzeuge – darunter das erste Formel-1-Auto von Max Verstappen/Carlos Sainz – und Demofahrten von BOSS GP-Pilot Erich Zech in seinem Ferrari F310B (1997) bereicherten das Programm zusätzlich. Beim Pit Walk kamen die Fans den Boliden und Fahrern ganz nahe. Die Rennen selbst lieferten nahezu unterbrechungsfrei volle Dröhnung über die gesamte Distanz.
In der Formel-1-Klasse feierte amtierender Meister Ulf Ehninger (GER, ESBA-Racing) seine Rückkehr: Nach einer Revision seines Judd-Motors im Benetton B197, der erst Tage vor dem Rennen wieder eingebaut wurde, krönte er sein Comeback mit einem überraschenden Sieg in Rennen 1. Begünstigt wurde dies durch technische Ausfälle der Favoriten: Ingo Gerstl (AUT, Team Top Speed) und Phil Stratford (GBR, Williams F1 Heritage) rollten mit Differenzial- bzw. Getriebeproblemen aus.
Die zwei Publikumslieblinge – Gerstl im Toro Rosso STR1 und Stratford im Williams FW25 – konnten im zweiten Rennen wieder starten und setzten sich nach dem gemeinsamen Start sofort vom Feld ab. Gerstl, der im Qualifying mit 1:10,529 die schnellste Runde des Wochenendes fuhr, gewann souverän. Stratford kam mit blockierenden Rädern in der ersten Kurve an, konnte aber noch rechtzeitig einbiegen und fuhr schließlich auf Rang zwei über die Ziellinie vor Samstagssieger Ehninger.
In der OPEN-Kategorie kehrte Haralds Šlēgelmilhs (LVA, HS Engineering) im 4,5-Liter-befeuerten Dallara T12 eindrucksvoll zurück und war eine Klasse für sich. Nach seinem Saisoneinstieg in Hockenheim war auch Karl Heinz Matzinger (AUT, Team Hoffmann Racing) wieder dabei: Im Ex-Auto von Karl-Heinz Becker (World Series T05) fuhr der Österreicher im vorderen Mittelfeld mit und zeigte eine mehr als respektable Leistung vor heimischem Publikum
Für jede Menge Furore sorgten erneut die Klassen WORLD SERIES und FORMULA, die nicht nur untereinander, sondern auch gegeneinander fighteten. In Rennen 1 war der junge Argentinier Francisco Soldavini (MM International) der Schnellste: Im einzigen Formel-2-Turboauto der 2018er-Generation setzte er sich von der „Pole“ gegen Teamkollege und Meisterschaftskontrahent Simone Colombo (ITA) im GP2 aus 2011 durch. Weil Tabellenführer Marco Ghiotto (ITA, Nardi Compressori) nur Vierter wurde, machten beide wichtige Punkte gut.
In Rennen 2 schlug das Pendel aber wieder in die andere Richtung aus: Ein frühes Duell zwischen Soldavini und Colombo in Kurve 4 endete mit Beschädigungen an beiden Fahrzeugen. Nach Boxenstopps fuhren beide weiter, die Siegchance war jedoch dahin. Soldavini betrieb mit Rang 3 Schadensbegrenzung. Der große Gewinner des Wochenendes war Thomas Zeltner (SUI, Nardi Compressori): Nach Rang 3 in Rennen 1 holte er in Rennen 2 seinen ersten, viel umjubelten BOSS GP-Sieg – im zweiten Jahr in der Serie. Teamchef und Fahrerkollege Ghiotto feierte auf Rang 2 mit ihm.
Mit den Rängen 4 und 5 in der Klasse machte auch der Däne Jens Renstrup (MM International) eine gute Figur; Stephan Miller (Team Top Speed) genoss sein Heimspiel mit Rang 6.
In der WORLD SERIES-Kategorie machte Paul O’Connell (IRE, HS Engineering) mit einem Doppelsieg einen großen Schritt in Richtung Meistertitel. Der Ire, der als „schnellster Landwirt seit Jim Clark“ gilt, verteidigte sich in Rennen 1 gegen Lokalmatador Michael Fischer (AUT, Red Rose Racing by LRT). Fischer versuchte alles, war nahe dran, doch ein kleiner Fahrfehler ließ ihn auflaufen; mit kaputtem Frontflügel wurde er ans Ende gespült. Stattdessen sprang Stefan Eisinger-Sewald (AUT, Red Rose Racing by LRT) auf Rang 2.
In Rennen 2 probierte Fischer noch einmal alles, blieb im Verkehr etwas stecken und war gegen O’Connell ohne Chance – mit Rang 2 verabschiedete er sich aber mit einem starken Ergebnis vom Heimpublikum. Ein weiteres Podium glückte BOSS GP-Rookie F. Binder (AUT, Team Top Speed) in Rennen 1. Der Italiener Marco Minelli (ITA, AM Sport System) kam immer besser zurecht, verpasste mit Rang 4 aber zweimal das Podium.
Die SUPER LIGHTS sahen ebenfalls einen Premierensieger: Jochem Sihorsch (LöSi Racing) im World Series V6 aus Deutschland siegte in Rennen 1 vor Stefan Scho (GER, Reifen Scho) und Domenico Parrotta (ITA, Walter Colacino Racing) in zwei Formel 3000 verschiedener Generationen. In Lauf 2 war Scho dann nicht mehr zu halten: Im Lola T91 fuhr er zum fünften Saisonsieg, vor Sihorsch und BOSS GP-Urgestein Walter Colacino (ITA).
Als nächstes geht es auf den Mugello Circuit, wo mit dem Gran Premio Storico d‘Italia eine brandneue Veranstaltung der Superlative auf die BOSS GP Racing Series wartet.
Foto: Martin Kubanka